„Europa ist mitten unter uns“
Amandus-Abenroth-Gymnasium feiert die Verleihung des Titels Europaschule Niedersachsen
Cuxhaven. Die letzten Töne von „Million Dreams“, gesungen vom Schulchor „Sunset Chords advanced“, schweben
noch durch die Aula, als Schulleiter Wolfgang Deutschmann ans Mikrofon tritt.
„Ein Traum geht wirklich in Erfüllung.“ Vor ihm haben sich Schülerinnen und Schüler, Lehrkräfte und Unterstützer des Amandus-Abenroth-Gymnasiums versammelt, um einen besonderen Moment zu feiern: die Verleihung des Titels Niedersächsische Europaschule“. Schon vor vielen Jahren gingen die ersten Austauschfahrten ins europäische Ausland, die ersten nach Vannes in Frankreich – „sozusagen die Keimzelle unserer Europa-Aktivitäten“, wie Deutschmann erläutert. Auch in der kommenden Woche brechen wieder Schülerinnen und Schüler auf, diesmal nach Irland, um dort am Projekt „Zeit, dass sich was dreht“ teilzunehmen. „Was muss sich in Europa drehen? Was muss sich ändern?“ Europa stehe selten so sehr unter Druck wie heute – von innen wie von außen. Auch Umfragen unter jungen Menschen zeigen: Die Werte der europäischen Gemeinschaft sind längst nicht mehr selbstverständlich. „Unsere Schule möchte dagegen halten. Deswegen haben wir uns um die Auszeichnung als Europaschule bemüht – um ein Zeichen zu setzen“, sagt Deutschmann. Europa wachse nicht aus Verträgen, sondern aus dem Herzen der Bürger, womit er den ehemaligen
Außenminister Klaus Kinkel zitiert. Ein Satz, der das Motto des Festakts prägt. Wolfgang Broy, schulfachlicher Dezer-
nent der niedersächsischen Landesschulbehörde, blickt zurück. Reisen ins Ausland seien früher Abenteuer gewesen. Langes Warten vor Schlagbäumen, nie sicher, wann es weitergeht. „Wenn ich mit meiner Tochter darüber spre-
che, ist ihr das völlig fremd. Man reist einfach, man spricht die Sprache. Das ist ein hohes Gut.“ Mit sichtbarer Freude verkündet er dann, dass das Amandus-Abenroth-Gymnasium ab August 2025 bis Juni 2030 offiziell den Titel Europaschule in Niedersachsen“ tragen darf. Die Jury habe der Schule 127 von 140 möglichen Punkten gegeben. Auch Oberbürgermeister Uwe Santjer und Landrat Thorsten Krüger gratulieren. „Europa wird nicht erst sichtbar,
wenn wir Grenzen überschreiten. Europa ist mitten unter uns. Europa sind wir“, betont Santjer. Cuxhaven, als Ha-
fenstandort mit fast 5000 Menschen aus ganz Europa, stehe wie kaum ein anderer Ort für Vielfalt. „Schaut nicht auf
das, was euch trennt, hat Margot Friedmann gesagt. Schaut auf das, was euch verbindet. Seid Menschen.“ Auch Eu-
ropa-Abgeordneter David McAllister ist nach Cuxhaven gekommen. „Wir leben in einer der sichersten und reichsten Regionen Europas“, sagt er. Diese Sicherheit sei jedoch bedroht, wenn das Recht des Stärkeren gelte, anstatt die Stär-
ke des Rechts. Nationalismus führe zum Krieg. Nur gemeinsam gebe es eine Chance. Nur gemeinsam könne Europa
die digitale Transformation meistern, nur gemeinsam klimaneutral werden, nur gemeinsam ein wettbewerbsfähi-
ger Industrie- und Wirtschaftsstandort bleiben. Zum Abschluss greift er noch einmal ein Bild auf, das im Saal hängen bleibt: „Das vereinte Europa ist wie kostenloses W-Lan. Solange es da ist, ist alles gut. Fehlt es, entstehen Stress und Panik.“
CN, Bengta Brettschneider
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